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"Ein Behinderter geht in' Puff...", von StefanHoffitz.

An dieser Stelle berichte ich nicht von meinem allerersten, denkwürdigen Besuch in einem sehr reputierlichen, kleinen und auch dezent in einer gewöhnlichen Wohnhaussiedlung eingebetteten Etablissement, das auch als "Haus der Lust" beworben wird und gerade mal zehn Autominuten von meinem Wohnort entfernt ist, sondern von meinem zweiten Besuch und der nicht ganz so prickelnden Erfahrung, die ich dabei machen musste...

Warum war ich überhaupt dort?
Nun, als schwerstbehinderter, junger Mann, der obendrein auch noch mehr oder weniger bettlägerig ist und infolgedessen die meiste Zeit seines Lebens liegend zuhause im Bett verbringt, somit u. a. auch nicht die Möglichkeit hat, all die üblichen Orte - wie Nachtclubs, Bars etc. - aufzusuchen, in die einen der bevorzugte Social-Media-Algorithmus à la Tinder hinlockt, um erfolgreich das brennende Verlangen nach körperlicher Nähe zum weiblichen Geschlecht zu stillen und im besten Fall, eine Freundin fürs Leben zu finden; als schwerstbehinderter Mann also, schien mir ein Besuch im Puff, zumal praktisch vor der Haustür gelegen und - ganz wichtig - barrierefrei, eine zielführende Alternative zu sein, um besagtes Verlangen zu stillen.

Nachdem ich entsprechend einen Termin vereinbart, alle nötigen Vorbereitungen getroffen, abermals meinen ganzen Mut zusammengenommen hatte und von meinem Pfleger (der auch zufällig mein Vater ist, doch das ist eine andere Geschichte,) in den Puff gebracht wurde, öffnete uns eine, in etwa sechzigjährige "Empfangsdame" die Tür und lud uns herzlich ein, ins ebenerdige (ganz wichtig!) Zimmer einzutreten, wo sie uns bat, kurz zu warten, bis sie ein dienstbereites Mädel aus dem oberen Stockwerk nach unten holt. 

Es wäre wohl besser gewesen, im Rollstuhl auf die Dame zu warten, um sie in sitzender Position zu begrüßen, aber ich entschied mich die Wartezeit zu nutzen und bat meinen Pfleger, mich entsprechend aus dem Rollstuhl zu hieven und aufs Bett und das eigens mitgebrachte Keilkissen für das ebenfalls mitgebrachte Kopfkissen zu legen.
Währenddessen konnte ich meinen Blick, im Rahmen meiner stark beschränkten körperlichen Fähigkeiten, so weit schweifen lassen, dass er direkt auf den, in einer Ecke platzierten, gynäkologischen Stuhl fiel, was meine Fantasie zum kochen brachte. 
Als mein Kopf schließlich zur Seite kippte, sah ich an der Bettkante einen lebensgroßen Käfig für sadomasochistische Spielchen. Solche "Extras" hätten bestimmt mein Budget gesprengt. 
Nicht dass ich mich ohnehin für so etwas Ausgefallenes wie SM-Rollenspiele qualifiziert hätte, angesichts der Tatsache, dass ich nicht einmal den kleinen Finger rühren konnte, dachte ich mit leichter Enttäuschung, als die Tür kurz darauf geöffnet wurde.
  
Noch bevor mich mein Pfleger fertig gelagert hatte, sodass ich in dem Moment zu meinem Leidwesen wie ein verkrüppelter Seestern niedergestreckt dalag, kam die Empfangsdame zurück.
Neben ihr erschien eine rassige, offenkundig blutjunge brünette Hure, von osteuropäischer Hotness. Sie trug eines dieser typischen Kosenamen wie Nina oder Jenny, denen etwas Frivoles anhaftete.

Mir lief sofort das Wasser im Munde zusammen und ich hörte schon meinen inneren Wolf aufheulen, dabei konnte ich sie, von meiner verqueren Liegeposition aus, nicht einmal richtig erkennen, so schief und krumm lag ich da. Als sie sich an den Mund fasste und wie erstarrt stehen blieb, wusste ich, hier stimmt etwas nicht. 
Mein Pfleger bemerkte etwas in der Art, sie hat ja Angst, dann wird das nix.
Sie blickte verzweifelt zur leicht irritierten Empfangsdame und sah gänzlich abgestoßen aus. 
So wie sie in dem spärlich beleuchteten Nebenraum stand, wirkte sie hoffnungslos verloren, als hätte man sie aufgefordert, mit einem angsteinflößenden Zombie zu schlafen. 
Ihre gesamte Körpersprache schien nur sagen zu wollen, ich will hier weg; das ganze Elend, die dunkle Seite ihres Daseins als Hure trat mit einem Mal zu Tage.
Der Blick, mit dem sie mich nur schwerlich anzusehen vermochte, versetzte mir einen Stich ins Herz.
Ich sagte nur: "Wenn sie nicht will, will ich auch nicht."
Wie auf ein Signal ging sie sofort, ohne auch nur "Bye" zu sagen.

Die Empfangsdame führte ihre Reaktion auf ihr junges Alter zurück und die Tatsache, dass sie angeblich erst an dem Tag angefangen hatte und folglich noch unerfahren sei.
Ich empfand diese Rechtvertigungsversuche als überflüssig, denn es war ja nicht die Schuld der Hure, dass ihr ein schwerstbehinderter Mann die Haare hat zu Berge stehen lassen, folglich gab's auch nichts zu rechtfertigen. Ich hätte eben zuhause bleiben und weiterhin Pornos gucken sollen, wie alle Außenseiter dieser Welt, dachte ich mir noch in meiner großen Enttäuschung zu diesem Zeitpunkt. Allerdings ließ die Empfangsdame, um den guten Ruf ihres verheißungsvollen Hauses bemüht, nicht locker und überredete mich, noch ein Weilchen zu warten.
Da es mich nicht unbeträchtliche Mühe gekostet hatte, hierher zu kommen, entschied ich mich, wider den Rat meines Pflegers - der unbedingt wegwollte - doch noch zu bleiben; auch wenn ich eine weitere Abfuhr sicher nicht verkraftet hätte.

So warteten wir und warteten, bis schlussendlich eine deutlich älterer und deutlich erfahrenere Dame erschien, die mich - nachdem sie meinen Pfleger/Vater mit einem saftigen Klaps auf den Hintern aus dem Zimmer nach draußen verabschiedet hatte -  wie eine tolle Raubkatze ansprang und mit einem erderschütternden Blowjob wie ein Vulkan gewaltig zum eruptieren brachte, dass selbst sie darob erstaunte. Sie war, so schien es mir, die Königskobra unter den Huren, die eine kleine, willige Maus wie mich heißhungrig vernaschte. Halleluja, diese Hure verstand ihr Handwerk! 
Ich durfte alles mit ihr machen, was ich im Rahmen meines Budgets und meiner körperlichen Fähigkeiten machen konnte, was nicht sehr viel war - aber immerhin. Nichts in ihrer Körpersprache deutete zu meiner Erleichterung darauf hin, dass sie unbedingt von hier wegwollte wie jenes junge Ding zuvor, im Gegenteil, sie blieb noch ein Weilchen länger und plauderte mit mir über ihre bulgarische Heimat. Sie war ein echter Profi!

So hat diese, meine Geschichte doch noch ihr Happyend gefunden.
Ich sollte mein Glück noch ein drittes und letztes Mal im Haus der unauslöschlichen Gelüste herausfordern, bevor mich das Fortschreiten meiner Behinderung endgültig daran hindern sollte.
Aber den herzzerreißenden Ausdruck im Gesicht jener, ob meines Anblicks, entsetzten Hure kann ich bis heute nicht vergessen, hat es mich in meinem Inneren doch sehr erschüttert und mein Selbstwertgefühl angetastet. Es sollte lange dauern, bis ich diese Erfahrung verarbeitet hatte.




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